Wenn der Regen den Mohn weckt

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„Ich werde zum Mond reisen Alvina, und ich werde zurück kommen und dir ein Stückchen mitbringen, das schönste Stückchen vom Mond und dann können wir Mondblumen in unserem Garten pflanzen. Die werden leuchten bis hinauf zu deinem Fenster, in dein Zimmer, dann wird es nie wieder dunkel sein.“
Junge Menschen, geworfen in eine Welt , in der sie nicht immer die passenden Antworten zu ihren Fragen finden. Und was passiert wenn alles von Grauheit bedeckt wird? Wo finden sie die Farben die sie so sehr brauchen? Irgendwo im Nirgendwo, im Vielleicht, im Undenkbaren. Auf der Suche nach Halt, Liebe und Freundschaft oder vielleicht einfach nur nach jemandem der sie wegbringt aus dieser Eintönigkeit. Auf der Suche nach dem Ich, begleitet von dem Wunsch irgendwo hinzugehören , jemanden zu finden der sie versteht, balancieren sie zwischen zwei Welten. Wirklichkeit und Phantasie verschmelzen in eine Welt in der Katzen Propheten und Mathematiklehrer geheimnisvolle Hieroglyphenmeister sind.

Mit : Christine Schaller / Nele Swanton / Tobias Diakow / Daniel Printz / Maria Kaeding / Paul Baek / Yuri Birte Anderson

Assistenz: Stefan Hoppe

Musik: Sascha Poloczek

Uraufführung: 06. November 2010 / theater im hof

weitere Vorstellungen:  07.  18. 19. 20 November 1. 2. und 3. Dezember

Plakat: Marko Popadic ( 400nm.de )

Kritik:

Melancholische Dreiecksgeschichten

URAUFFÜHRUNG VON „WENN DER REGEN DEN MOHN WECKT“ IM THEATER IM HOF

Pubertierende Jugendliche leiden unter Hormonumstellung – und leben in ganz eigenen Welten. Sie sind in dieser Zeit nicht ganz zurechnungsfähig, gefährlich und gefährdet, sagen Untersuchungen. In ihre wirren Gehirnwindungen hineingekrochen ist die Schauspielerin Helena Kühn, die noch mitten in der Ausbildung steckt, mit ihrem ersten Stück „Wenn der Regen den Mohn weckt“. Inszeniert hat sie es unter dem Label des nö-Theaters, das in der Kölner Theaterszene immer wieder respektvoll von sich reden macht (zuletzt mit der theaterpreisnominierten Inszenierung „Der Vorgang Oury Jalloh“ im Theater Tiefrot). In verschiedenen Szenen treffen bei Helena Kühn Jugendliche aufeinander, die auf dieselbe Schule gehen, aber ganz verschiedene Lebensbaustellen haben. Vadim und Sophie etwa, sie sitzen in der Klasse nebeneinander, verstricken sich in ihre Fantasien, verlieben sich ineinander. Verbinden tut sie ihre verträumte Versponnenheit, und, dass sie eher Außenseiter sind: Sophie, sagen die anderen, sei depressiv, Vadim lacht dauernd, „quakende Geräusche kommen aus mir herausgepurzelt“. Sie fantasieren von Tieren, nennen den Lehrer „Hieroglyphenmeister“, wollen weg aus der öden Realität – bis die zuschlägt und Vadims Schwester stirbt.

Auf der Bühne sieht man überdimensionale gelbe und blaue Bauklötze, die in jeder Szene anders gestapelt werden. Unterteilt werden die Szenen durch die träumerische Klaviermusik mit Beats von Sascha Poloczek. Die nächste Szene ist eine melancholische Dreiecksgeschichte: die blonde, zarte, Schauspielerin (Yuri Birte Andersen spielt sie als verträumtes, leicht schräges Mädchen unter Glasglocke) ist mit ihrem besten Freund zusammen, verliebt sich aber in den schönen blonden Daniel Printz. In der dritten Szene hat ein Mädchen ihren ersten Sex mit einem Mann, der sie sofort verlässt – zum Glück ist die Freundin Mariane da, um sie zu retten, als sie hilflos vor seiner Tür steht. Doch die bringt kurz darauf ihren Vater um und wirft ihn aus dem vierten Stock. Ist sie von ihm
missbraucht worden? Die Handlung des Stücks ist nicht immer zugänglich, sie versteckt sich oft hinter zwar poetischen und metaphorischen, aber auch kryptischen Sätzen. Viele der Fragmente, die man versteht, sind sehr schön. „Zwischen uns ist ein Meer, ich komme nicht hinterher“, beschreibt Jasmin etwa die Distanznahme des Mannes, der sie entjungfert hat. Auch spielen alle Schauspieler beeindruckend gut: lässig, mit kleinem und natürlichen Tonfall, sehr professionell. Und doch würde man sich mehr Bodenhaftung wünschen, bleiben die Geschichten etwas zu fragementarisch und sphärisch.

DOROTHEA MARCUS

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